Schwerpunkt Allgemein, Medizin im EVV, Menschlichkeit verbindet
Lernen, leiten, zusammenwachsen

Zwischen neuen Aufgaben, großer Verantwortung und viel Teamgeist entwickeln Auszubildende auf Station 3 des Vinzenzkrankenhauses Hannover eine eigene Handschrift in der Pflege. Ein Blick hinter die Kulissen der Schülerstation.

Die Schülerstation gilt als einer der prägendsten Abschnitte der Pflegeausbildung. Vier Wochen lang organisieren Auszubildende den Stationsalltag weitgehend selbst: Sie koordinieren Abläufe, treffen Entscheidungen, übernehmen Pflege und organisieren das Miteinander im Team. Für Leonie und Nina, beide im dritten Lehrjahr ihrer Pflegeausbildung, ist dieses Projekt weit mehr als ein Übungseinsatz. Sie fassen ihre Erfahrung in drei Worte: Abenteuer, Chaos und Freude.
Gerade diese Mischung macht den besonderen Reiz der Schülerstation aus und gibt ihnen zum ersten Mal das Gefühl, in die Rolle einer examinierten Pflegefachkraft hineinzuwachsen. Schon die Motivation der beiden zeigt, worum es auf der Schülerstation geht: selbstständig arbeiten, Verantwortung übernehmen und den Berufsalltag realistisch erleben.
„Ich war vorher oft eher ruhig“, sagt Leonie. „Aber hier bin ich richtig aus mir rausgekommen. Das hat mein Selbstbewusstsein gestärkt.“
Nina beschreibt eine ganz andere persönliche Entwicklung: „Ich musste lernen, zurückzustecken und Aufgaben abzugeben. Heute merke ich, dass ich einen richtig guten Job mache.“
Die Vorbereitung auf die Schülerstation fiel in diesem Durchgang vergleichsweise knapp aus. Für die gemeinsame Einstimmung blieb nur eine Stunde. Praxisanleiterin Nicole Bickmeyer sieht hier Verbesserungspotenzial: „Die Planung müsste ein halbes Jahr vorher starten. Dieses Mal standen wir erst eine Woche vor Beginn richtig zusammen. Da bleibt wenig Zeit für Fragen oder Sicherheit.“ Trotz der kurzen Vorlaufzeit habe sich das Team jedoch „unglaublich gut zusammengefunden“.
Der Einstieg erforderte zunächst etwas Orientierung. „Der erste Tag war chaotisch“, erinnert sich Nina, „aber wir haben uns schnell eingespielt.“ Besonders die Kommunikation stellte das Team vor neue Aufgaben, denn plötzlich mussten Absprachen nicht nur im eigenen Kurs, sondern auch mit Fachkräften professionell funktionieren. „Man musste lernen, wie man Dinge anspricht, damit sie richtig ankommen“, sagt sie.
Für Nicole Bickmeyer ein bekanntes Phänomen: „Gerade, wenn Auszubildende privat befreundet sind, müssen sie hier lernen, klar,
professionell und dennoch rücksichtsvoll miteinander umzugehen.“


Verantwortung mit Rückhalt
Trotz der Herausforderungen übernahmen die Schülerinnen und Schüler schnell Verantwortung. Viele Entscheidungen treffen sie inzwischen
wie examinierte Pflegekräfte – stets mit Rücksprache im Hintergrund, aber ebenso mit viel Eigeninitiative. Die Zusammenarbeit mit den Fachkräften funktioniere „dieses Jahr besonders gut“, betont Nicole Bickmeyer.
Auch die Wahl der beiden Stationsleitungen verlief unkompliziert. Der Kurs entschied sich bewusst für zwei Auszubildende, die als neutral und ausgleichend gelten und von Anfang an für eine faire und vertrauensvolle Teamführung sorgten. Erschwert wurde der Einsatz durch eine logistische Umstellung: fehlendes Material, ungewohnte Wege. „Da war Improvisation gefragt – doch die Kreativität des Kurses ist eine echte Stärke.“
Zu den schönsten Aspekten der Schülerstation gehören für Leonie und Nina die Begegnungen mit den Patientinnen und Patienten. „Wenn jemand sagt ‚Danke für die tolle Pflege‘, dann fühlt sich das anders an, weil wir die Station selbst führen“, erzählt Leonie.
Patient Herrmann Kirk beschreibt seine Erfahrung positiv:
„Es ist manchmal schwer zu unterscheiden, wer Schülerin oder Schüler ist und wer nicht. Aber das ist für mich auch nicht entscheidend. Alle reagieren sehr zugänglich und empathisch. Die Aufgaben wurden ohne Probleme erfüllt. Bei Unklarheiten wurde nachgefragt und korrigiert. Ich war sehr zufrieden.“
Solches Feedback motiviert das Team täglich. „Das Vertrauen der Patientinnen und Patienten ist das Schönste“, sagt Nina. „Viele haben schwere Geschichten hinter sich und schenken uns dennoch großes Vertrauen. Sie lassen uns handeln, begleiten, lernen und unterstützen und genau das macht diese Erfahrung so unglaublich wertvoll.“
Für kommende Kurse wünschen sich die beiden vor allem eines: Offenheit und Kommunikation auf Augenhöhe. „Alles ansprechen, ehrlich und ohne Scheu“, sagt Nina. Denn am Ende lebt die Schülerstation von Teamgeist, Mut und der Bereitschaft, über sich hinauszuwachsen. Genau das ist auf Station 3 in diesem Jahr gelungen.
Auch die Teamleitung der Station, Manuela Weddig-Bangert, ist zufrieden mit dem Projekt:
„Für mich persönlich war es etwas ganz Neues, wir waren noch nie Schülerstation, es war eine gute Erfahrung und hat mir und auch meinen Kolleginnen und Kollegen sehr viel Spaß gemacht. Durch das Feedback profitieren am Ende beide Seiten.“

Beitrag aus dem Krankenhausmagazin DAS VINZENZ, Vinzenzkrankenhaus Hannover, Ausgabe Frühling 2026
Redaktion: Ulrike Wiedemann, Leiterin Unternehmenskommunikation Vinzenzkrankenhaus Hannover
Fotos: Fotos Vinzenzkrankenhaus Hannover GmbH, Roman Pawlowski, Jörg Kyas, Reiner Stendel


