Schwerpunkt Allgemein, Christliches Profil, Menschlichkeit verbindet
Ostern – Körper – Hoffnung
Im Krankenhaus werden Körpergeschichten geschrieben. Menschen kommen zu uns, weil ihre Körper beeinträchtigt sind oder zumindest ihre Gesundheit in Frage steht.
Einheit mit der Seele
Pflegefachpersonen, Ärzt:innen und Physioterapeut:innen wenden sich diesen Körpern mit ihrer Fachkenntnis zu. Kolleg:innen in Reinigung, Catering, Haustechnik oder Verwaltung tragen dazu bei, dass Menschen mit ihren körperlichen Einschränkungen an einem sicheren Ort sind. Seelsorge, Sozialdienst und Psychotherapie bringen die Perspektive ein, dass menschliche Körper eine besondere Würde haben, weil sie eine Einheit mit der Seele bilden.
Sigmund Freud formulierte:
„Das Ich ist vor allem ein körperliches.“
Die herausragende Bedeutung des Körpers für unser Mensch-Sein spiegelt sich in den Ostererzählungen: Das letzte Abendmahl mit Fußwaschung und geteiltem Brot und Wein ist für die Beteiligten zunächst eine körperliche Erfahrung von bedingungsloser Annahme und Zuwendung. Im Mittelpunkt des Karfreitags steht ein leidender Körper, der schließlich liebevoll in Leinentücher gewickelt zur Ruhe kommt. Und dann am Ostertag die geheimnisvolle Begegnung mit Jesus, der körperlich nicht berührbar und dennoch durch die erkennbaren Wunden neue Hoffnung ermöglicht.
Ostern als Körpergeschichte
Ostern erzählt also von Gott, der in einem menschlichen Körper verletzlich und auf liebevolle Zuwendung angewiesen ist – und diese Liebe selbst schenkt. Ostern erzählt von Jesus, der in autonomer Freiheit einen Weg wählt, der ihn bis an die körperliche Grenze führt – und darüber hinaus. Ostern erzählt von der Hoffnung, dass unsere körperlichen Leiden nicht lebensverhindernd sein werden. Ostern erzählt davon, dass unser Körper ein zentraler Teil von Erlösung sein wird.
So gesehen wird Ostern für mich als Körpergeschichte aktuell, wenn Menschen in ihrer Verletzlichkeit nicht alleine bleiben, sondern liebevolle Zuwendung finden; wenn Menschen durch unser solidarisches Handeln und im achtsamen Kontakt neue Kraft spüren; wenn Menschen die Hoffnung erleben, dass Krankheit weder ihre Identität noch ihre Würde zerstört.
Aus Ostern als Körpergeschichte ergibt sich aus meiner Sicht dann auch ein gesellschaftlicher Auftrag: wir können für eine Menschenwürde einstehen, die nicht in Unverwundbarkeit, sondern in Verletzlichkeit liegt. Wir können dafür einstehen, dass Menschen nicht zum Leiden verdammt sind, sondern dass sie das autonome Recht haben, sich nicht mit körperlichen Widrigkeiten zufrieden zu geben. Und wir können für eine Hoffnung einstehen, die die Grenze von Leiden und Tod überschreitet.
„In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Zugehörigen ein gesegnetes Osterfest!“
Beitrag von Dr. Stefan Ottersbach, Leiter Fachbereich Christliches Profil

Foto: EVV / Manuel Tennert


