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Pfingsten – Fest des heiligen Geistes

Man könnte es für einen klugen Schachzug halten: Nachdem der jüdische Prediger Jesus von Nazareth tot war, meinten einige seiner Anhänger und Anhängerinnen, ihm als Auferstandenen begegnet zu sein. Beweise gibt es nicht. Niemand, der nicht schon vorher an Jesus überzeugt war, bezeugt, ihn nach seinem Tod getroffen zu haben.

Dann erzählen seine Anhänger gesehen zu haben, wie Jesus in den Himmel aufgefahren sei – und dass ab jetzt der heilige Geist an seiner Stelle inspirieren, begeistern, heilen und Glauben stiften würde.

Ein kluger Schachzug, denn dieser heilige Geist war naturgemäß unsichtbar. Von nun an konnte man sich nur noch auf das verlassen, was andere erzählten oder man selbst erlebte, spürte, dachte, glaubte.

Es bleibt dabei: Beweise gibt es nicht. Jeder und jede muss sich selber fragen, wie er die Welt deutet, ob er etwas von Gott spürt oder in den biblischen Erzählungen Wahrheit findet.

Wie wirkt dieser heilige Geist? Woran würde man seine Existenz erkennen?

Die Bibel gibt Hinweise: Menschen, die sich psychisch im Abgrund befinden, finden Kraft, sich wieder unter die Leute zu mischen und einen aktiven, erfolgreichen Platz einzunehmen. Menschen tun Gutes, helfen einander, teilen, heilen. Menschen verstehen einander plötzlich über Kulturgrenzen hinweg. Echte Gemeinschaft entsteht.

Gott macht den ersten Schritt. Unser Part ist es, aufmerksam zu sein, auf unser Herz zu hören, wahrzunehmen, wo Gutes geschieht, uns ehrlich zu fragen, ob es diesen Gott geben könnte.

Ein über 800 Jahre alter Text, die sogenannte Pfingstsequenz, beschreibt in unkomplizierter Sprache, was uns der heilige Geist „bringt“. Mein Tipp: Lesen Sie den Text in aller Ruhe durch oder hören Sie ihn hier als Lied an. Lassen Sie ihn einfach auf sich wirken!

Komm herab, o Heil’ger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.

Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.

Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not,

In der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.

Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.

Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.

Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.

Lass es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit.

Amen. Halleluja.

(um 1200 n. Chr., zugeschrieben Stephan Langton, Erzbischof von Canterbury, Übertragung von Maria Luise Thurmair und Markus Jenny 1971)

 

Beitrag von Cäcilia Branz, Leiterin Fachbereich Christliches Profil

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