Schwerpunkt Allgemein, Christliches Profil

Seelsorgende im Liturgie-Labor

Ein Gottesdienst ist nicht erfolgreich, wenn möglichst viele Menschen teilnehmen, sondern wenn er den Teilnehmenden möglichst wohltut. Das ist eine Erkenntnis der diesjährigen Seelsorgetagung des EVV. 25 Krankenhaus-Seelsorger und -Seelsorgerinnen begaben sich für anderthalb Tage in ein „Liturgie-Labor“ mit Dr. Folkert Fendler, dem Rektor des Pastoralkollegs Niedersachsen.

Der evangelische Theologe Folkert Fendler hat viel zu Qualität und Kunden-Habitus in Gottesdiensten geforscht. Schonungslos konfrontierte er die Seelsorgenden mit Studien, die belegen, dass „regelmäßiger Kirchgang eine Verhaltensanomalie“ geworden ist. Auch für Christen ist die Teilnahme am Gottesdienst keine Selbstverständlichkeit mehr. Sich mit den Gründen dafür auseinanderzusetzen, ist der Ausgangspunkt, um dennoch sinnvolle Angebote machen zu können.

Mit Instrumenten wie der Kundenpfadanalyse oder der KANO-Methode analysieren die Seelsorgenden Situationen und Kriterien, um für die Menschen im Krankenhaus stimmige Rituale und Gottesdienstformate anzubieten. Eine Gruppe analysiert, wie das Gedenken für verstorbene Patienten oder Mitarbeitende in neuer Qualität angeboten werden kann. Eine andere, wie Alltagsrituale der Mitarbeitenden wie die die allmorgendliche Kaffeerunde der Reinigungskräfte in der aufgelassenen Cafeteria geschützt und verstärkt werden können.

Auf einem „Marktplatz“ tauschen die Seelsorgeteams aus den räumlich weit gestreuten EVV-Standorten Best-Practice-Beispiele aus. „Ich bin immer wieder fasziniert, wie engagiert und energiegeladen die Seelsorgenden, die sich ja nur einmal im Jahr sehen, zusammenarbeiten. Das Interesse an kollegialem Austausch ist immens. Die Seelsorgenden wollen ihr Arbeitsfeld weiterentwickeln“, freut sich Cäcilia Branz, Leiterin des Fachbereichs Christliches Profil.

Die Seelsorgenden blicken dabei über ihr Arbeitsfeld im engeren Sinn hinaus. Sie wünschten sich auf Grund des Tagungsortes Magdeburg einen Blick in die heutige politische Landschaft auf dem Gebiet der ehemaligen DRR. In der Landtagsabgeordneten für Sachsen-Anhalt und evangelischen Pastorin im Ehrenamt Juliane Kleemann (SPD) fanden sie eine bewanderte Gesprächspartnerin. Kleemann ermutigte, trotz verschärfter Debattenkultur Gesprächsräume zu politischen und gesellschaftlichen Themen zu öffnen. Das könne auch ein Beitrag der Kirchen sein.

Beitrag von Cäcilia Branz, Leiterin Fachbereich Christliches Profil im EVV

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