Schwerpunkt Allgemein, Christliches Profil, Menschlichkeit verbindet, Ordensschwestern

Drei Quellen für den Aufsichtsrat

Die Tatsache, dass Ordensfrauen im Aufsichtsorgan eines Sozialunternehmens qualifiziert mitwirken können, speist sich aus drei Quellen: Auftrag/Sendung, Ausbildung und Auftreten. Was bedeutet dies konkret?

Sr. M. Dominika Kinder erklärt es in einem Beitrag.

Starke Identifikation als Triebfeder

Aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu der Gemeinschaft, die das Krankenhaus, die Stiftung o. ä. einst gegründet und viele Jahre als Trägerin eigenständig verantwortet hat, entwickelt sich in den Ordensfrauen nicht nur ein echtes Interesse für die Einrichtungen, sondern so etwas wie ein „Eigentümerbewusstsein“.

Für sie ist es „unser Krankenhaus“. Und damit nicht gleichgültig, wie Patienten, Mitarbeiter und Öffentlichkeit die Qualität des Hauses einschätzen und ob der „Geist“ der Gründerinnen bzw. der christliche Geist darin lebendig ist. Die Identifikation ist also besonders ausgeprägt, das „Schaffen“ in der eigenen Einrichtung wird als Auftrag verstanden.

Die Ordensfrau tut, was sie tut und wo sie es tut, weil die Ordensgemeinschaft sie für diese Arbeit, für diese Aufgaben braucht, damit das Ganze gelingen kann.

Sie hat es sich nicht selbst gesucht. Dieses Bewusstsein für die Erfüllung eines Auftrags war und ist für viele Ordensleute eine starke Triebfeder für ihr totales Engagement an Zeit und Kraft.

Und es ist auch eine Entlastung, wenn sie sich von der Aufgabe überfordert fühlen. Ihre „Karriere“ hängt weniger als bei nicht ordensgebundenen Mitarbeitern von ihrem beruflichen Erfolg ab.

Da Ordensleute, bedingt durch ihr Gehorsamsversprechen, grundsätzlich nie nur aus eigener Entscheidung ihre Tätigkeit ausüben, kommt dazu noch ein gewisses Sendungsbewusstsein.

 

Kenntnisse rund um das System Krankenhaus sind unabdingbar

Mitunter werden Ordensfrauen aus einer eher krankenhausfernen Tätigkeit in ein Amt gewählt (zum Beispiel zur Provinz- oder Generaloberin), mit dem sie satzungsgemäß zum Mitglied im Aufsichtsgremium für
Pflegeeinrichtungen und/oder Krankenhäuser werden.

Die Schwestern, die sie wählten, hatten für ihre Favoritin nur selten auch die Fähigkeiten im Blick, die für eine Mitwirkung auf der Ebene von Letztentscheidungen in großen Betrieben wichtig und notwendig sind.

Das kann nicht nur für die Gewählte sehr belastend sein, es besteht auch die Gefahr, dass die Effektivität der Arbeit im Aufsichtsrat darunter leidet.

Weil der Vorstand der KWA, der bis 2004 nur aus Schwestern bestand, dies erkannte, wurden die Strukturen der Stiftung geändert und schrittweise Frauen und Männer in die Entscheidungsgremien berufen, die über die erforderlichen juristischen, betriebswirtschaftlichen und medizinischen Kompetenzen verfügen, um die Einrichtungen sicher in die Zukunft zu führen.

Die Ordensfrauen, die weiterhin im Aufsichtsrat mitwirken, sehen ihre Aufgabe vor allem darin, den von der Gründergeneration übernommenen Sendungsauftrag wachzuhalten und weiterzugeben und so auch für kommende Zeiten zur Profilschärfung der Einrichtung beizutragen.

In dieser Rolle der „spirituellen Trägervertreterin“ werden sie in der Regel auch von den anderen wahrgenommen und angefragt.

Dabei darf ihre „Profilkompetenz“ aber nicht zur beherrschenden Größe werden. Das sollte ihr selbst und allen Beteiligten immer bewusst bleiben.

Sie kann vielmehr ihre spezifische Kompetenz umso wirkungsvoller einbringen, je fundierter sie das „System Krankenhaus“ kennt und je umfassender sie sich Verständnis und Wissen für wirtschaftliche Zusammenhänge und gesetzliche Gegebenheiten erwirbt.

Verschiedene Institutionen und Bildungsträger, auch im kirchlichen Bereich, machen dazu seit Jahren gute Angebote.

 

Praxiskenntnisse aus Medizin und Pflege als Vorteil

Wenn (wie im Falle der Autorin, Anmerkung Red.) die berufliche Karriere einer Schwester, inklusive der dazu nötigen fachlichen Ausbildung, innerhalb des Krankenhausbetriebes verlaufen ist (von der Stationsschwester zur Krankenhausoberin/ Pflegedirektorin oder von der Lehrkraft zur Leiterin der Krankenpflegeschule), dann ist das bei einer späteren Mitwirkung in einem Aufsichtsgremium ein echter Vorteil.

Ordensschwestern in diesen Positionen gehören zu den leitenden Mitarbeitern und sind, wenn es in der Einrichtung dafür die entsprechende Struktur und Kultur gibt, in die Entscheidungsfindung und Prozessgestaltung der Einrichtung einbezogen.

Die Teilnahme an den jeweiligen Konferenzen und Sitzungen mit allen Leitungspersonen im Haus, wo alle wichtigen Fragen auf den Tisch kommen und diskutiert werden, bringt einen hohen Informations- und Lerngewinn.

Man wird im Laufe der Jahre nicht nur mit allen Sachthemen im Gesundheitswesen bestens vertraut, sondern macht auch Erfahrungen mit der „Denke“ der verschiedenen beteiligten Berufsgruppen.

 

Mitsprache einfordern!

Dass die Befähigung zur Mitarbeit in einem Aufsichtsgremium auch bei Ordensschwestern eine Frage des persönlichen Auftretens ist, sei nur kurz erwähnt.

Wer sich nie traut, den Mund aufzumachen, kann keinen Beitrag leisten, auch wenn er über ein großes Wissen und viel Erfahrung verfügt.

Die Mitwirkung im Aufsichtsgremium, sei es in einem einzelnen Krankenhaus, sei es in einem größeren Trägerverbund, ist für Ordensfrauen der gegenwärtigen Generation, die sich auf diese Aufgabe nicht wirklich vorbereiten konnten, keine leichte Herausforderung.

Wenn aber Auftrag, Ausbildung und Auftreten in ihrer Person in einem ausgewogenen Verhältnis stehen und sie sich in das Gesamtgremium eingebunden und in ihrer Rolle akzeptiert fühlt, ist es eine sehr erfüllende Aufgabe.

Sie trägt mit den ihr gegebenen Fähigkeiten dazu bei, das „gute Werk“, das ihre Mitschwestern einst gegründet und in vielen Jahrzehnten weiterentwickelt haben, zukunftsfähig zu machen für eine Welt, in der Ordensfrauen in solchen Positionen nur noch in (hoffentlich) guter Erinnerung sind.

 

Ein Beitrag für Wohlfahrt intern, Ausgabe Juni 2022

Autorin: Sr. M. Dominika Kinder
Kongregation der Schwestern von der hl. Elisabeth

Kuratoriumsvorsitzende der KWA und stellv. Aufsichtsratsvorsitzende des EVV 

 

Hintergrund Ordensfrauen im EVV-Aufsichtsrat

Der Elisabeth Vinzenz Verbund ist ein Zusammenschluss von Krankenhäusern und weiteren Einrichtungen mit katholischen Wurzeln.

Trägergesellschaft der Einrichtungen ist die Elisabeth Vinzenz Verbund GmbH, vertreten durch den Geschäftsführer Dr. Sven Ulrich Langner.

Gesellschafterinnen der Trägergesellschaft (Elisabeth Vinzenz Verbund GmbH) sind die Katholische Wohltätigkeitsanstalt zur heiligen Elisabeth Reinbek, rechtsfähige Stiftung des Öffentlichen Rechts (KWA), und die Vinzenz Bernward Stiftung Hildesheim.

 

Vinzentinische und Elisabethinische Seite im EVV-Aufsichtsrat: Sr. M. Teresa Slaby und Sr. M. Dominika Kinder.
Foto EVV / Tennert

Stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates ist Schwester M. Dominika Kinder, Vorsitzende des Kuratoriums der Katholischen Wohltätigkeitsanstalt zur hl. Elisabeth und von 2003 bis 2021 Provinzoberin der Kongregation der Schwestern von der heiligen Elisabeth in Deutschland.

Schwester M. Teresa Slaby, Generaloberin der Kongregation der barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul Hildesheim vertritt die Vinzentinerinnen von Hildesheim über die Vinzenz Bernward Stiftung im Aufsichtsrat des Elisabeth Vinzenz Verbundes. Zudem ist Sr. M. Teresa Slaby Vorsitzendes des Profilausschusses zum christlichen Profil im Elisabeth Vinzenz Verbund.

Das Erbe der Ordensfrauen

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Mehr Informationen

Wer ist der EVV?

https://youtu.be/D_t_iGae7hY

GOTTGEWOLLT

 

Aufnahmen aus dem Bild-/Interviewband „Gottgewollt“, in dem Leben und Alltag der Schwestern von der heiligen Elisabeth portraitiert wird.

Die Autoren

Marco Warmuth – geboren 1980, Fotograf, lebt und arbeitet in Halle, lehrt an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein. Studierte Kommunikationsdesign in Dessau und an der HfKuD Halle, absolvierte den Master in der Fotoklasse von Ute Mahler und Vincent Kohlbecher.

Tina Pruschmann – geboren 1975, Autorin, Soziologin, saß in Juravorlesungen, arbeitete in einer psychiatrischen Klinik, an einer Förderschule, an einer Berufsschule. 2017 erschien ihr Debütroman „Lostage“ im Residenz Verlag. Lebt in Leipzig.

Das Buch

„Gottgewollt“ erschien 2019 im Mitteldeutschen Verlag und kann per Mail über die Website www.gottgewollt.info bestellt werden.

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