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Maganzo in Corona-Zeiten

Die „Freunde von Maganzo e.V.“ sammeln für das Maganzo San Pio Health Centre in Tansania. Für Schwester M. Chiara Lipinski ist dieses Projekt eine ganz persönliche Herzensangelegenheit: Sie hat es im Jahr 2011 verantwortlich mit zwei Mitschwestern aufgebaut und bis Oktober 2018 vor Ort geleitet.

Nachgefragt bei Sr. Chiara

Sr. Chiara, herzlichen Glückwunsch. Für das letzte große Spendenprojekt haben Sie erfolgreich gesammelt. Wieviel Geld kam denn insgesamt zusammen?
Sr. M. Chiara Lipinski: Dankeschön. Im Herbst und hauptsächlich in der Adventszeit 2019, haben wir knapp 26.000 € an Spendengeldern zusammenbekommen.

Das ist eine unglaubliche Summe, die uns sprachlos machte. Mit so viel Spendenbereitschaft hatten wir nicht gerechnet – auch wenn wir es uns immer wieder erhofften.

Wir haben erstmalig ein Online-Spendenportal ausprobiert. Den Löwenanteil haben wir jedoch direkt von den Erlösen verschiedener Weihnachtsbasare erhalten.


Im Maganzo Health Centre gelten, genau wie bei uns, die üblichen Hygienerichtlinien. Gründliches Händewaschen wird durch eine Wassertonne samt Seifenspender ermöglicht.

 

Gesammelt wurde für einen Erweiterungsbau des Kreißsaales und für die Ausstattung des neuen Raumes. Konnten Sie das Spendengeld bereits einsetzen?
Leider nein. Das Corona-Virus hat den Weg ja auch nach Afrika gefunden und uns einen Strich durch die Arbeiten gemacht.

Bereits im Januar wurde mit den ersten Arbeiten begonnen. Wir planen und hoffen, dass es im August weitergeht.


Temperatur-Messung bei allen Patientinnen und Patienten.

 

Wie wirkt sich Covid-19 denn auf die Arbeit insgesamt im Health Centre von Maganzo aus?

Der Präsident Tansanias verhält sich in europäischen Augen recht ungewöhnlich, was den Umgang mit Corona angeht. Er hat angeordnet, dass alle Kirchen offenbleiben, die Gottesdienste weiterhin stattfinden. Zu Beginn der Pandemie hat er ein Wochenende bestimmt, an dem vom Freitag bis Montagmorgen rund um die Uhr in diesem Anliegen in allen Kirchen gebetet wurde.

Er ist überzeugter Christ und vertraut voll und ganz auf die göttliche Vorsehung. Man kann das belächeln oder nicht.
Wir können im Health Centre keine Testungen durchführen. Und wir haben vor Ort zu wenig an Schutzmaterialien – Masken, Handschuhe, Desinfektionsmittel.

Immerhin führen wir Temperaturmessungen durch. Und jeder Patient kann sich eine Schutzmaske bei uns kaufen. Die werden durch den Schneider im Ort hergestellt.

Maskenpflicht im Maganzo Health Centre. Hier wird gezeigt, wie man diese aufsetzt.

Und wie sieht es mit der medizinischen Versorgung im Health Center aus?
Anfangs kamen weniger Patienten, genau wie in Deutschland. Aber inzwischen ist der Zulauf wieder wie vor der Pandemie.

Aktuell sind neben den polnischen Ordensschwestern nur die afrikanischen Ärzte vor Ort – ein Medical Doc, ein Assistance Doc und ein Klinical Doc.

Im November wird wahrscheinlich wieder ein Kardiologenteam aus Polen nach Maganzo kommen.

Die Masken sind kostenpflichtig. Ein Schneider im Ort sorgt für die Versorgung, verkauft werden sie dann im Health Centre.

Sr. Chiara, mit welchen Spendenprojekten soll es denn weitergehen?
Nun müssen wir erst einmal das begonnene Projekt zum Abschluss bringen und den Kreißsaal erweitern.

Unser großes Ziel bleibt es, aus dem Maganzo Health Centre ein Krankenhaus zu machen.

Hierfür haben wir uns Teilprojekte für die kommenden Jahre herausgepickt. Eines davon ist unser Labor, das dringend erweitert werden muss. Denn im Laborraum haben wir nur ein Mikroskop und auch keinen Platz für ein dringend benötigtes zweites.

Die Patienten beklagen sich über die lange Wartezeit bis sie ihre Ergebnisse erhalten. Und vom Staat, der uns regelmäßig kontrolliert, erhielten wir bereits die Auflage, das Warteproblem zu lösen.

Das wollen wir gerne angehen. Mit Gottes Hilfe, mit großem Engagement aller Beteiligten – und bitte weiterhin unbedingt mit Spenden.

Die Fragen stellte André Schmincke, Leiter Unternehmenskommunikation und Marketing Elisabeth Vinzenz Verbund.

Fotos: Maganzo Health Centre