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Weihnachten trotz Corona?

Oder Weihnachten neu inspiriert durch Corona?

Weltreichweitenvergrößerung

Wir haben unser Leben gern selbst in der Hand.

Wir planen unsere Karriere, unsere Familie, den Hausbau, die sozialen Beziehungen, unsere Freizeit, die Urlaube, die nächste Party, die nächsten Jahre und unseren Ruhestand.

Und auch unsere Gesundheit und den Tod hätten wir gern im Griff.

Wir wollen um fast jeden Preis am Steuer des eigenen Lebensautos sitzen.

Das Leben soll verfügbar sein. Immer mehr, immer besser und immer sicherer.

Der Modus der Steigerung bestimmt unser Leben.

Immer mehr vom Leben soll so in unsere Reichweite kommen, dass wir es im Griff haben.

„Weltreichweitenvergrößerung“ nennt das der Soziologe Hartmut Rosa.

 

Ist das alles?

Aber, ist das wirklich schon das ganze Leben? Ist es nicht eher so, dass uns das Leben entgegenkommt und herausfordert?

Das können Menschen sein, die plötzlich in unser Leben treten und zu denen wir uns verhalten müssen.

Das können Schicksalsschläge sein, mit denen wir fertig werden müssen.

Das können Angebote für Jobs oder Möglichkeiten sein, mit denen wir bisher nicht geplant und gerechnet hätten.

Unser Leben ist ein Wechselspiel zwischen dem, was verfügbar ist und dem, was unverfügbar ist und bleibt.

 

Anders als gedacht

Corona lehrt uns, dass unsere Pläne und Strategien, unsere Wünsche und Entwürfe gar nicht so stabil sind, wie wir uns gedacht haben.

Wir mussten und müssen damit leben, dass alles ziemlich anders kommt.

Manchmal hat man den Eindruck, dass einem ziemlich heftig ins Steuer des eigenen Lebensautos gegriffen wird und man anders fährt und woanders ankommt.

Corona lässt uns an der Verfügbarmachung der Welt und der Weltreichweitenvergrößerung zweifeln.

Ich denke an das Evangelium vom 4. Adventssonntag. Den etwas sperrigen Text vom Engel Gabriel, der bei Maria vorbeikommt und ihr ankündigt, dass sie ihre geplante Karriere mal vergessen soll und nun den Sohn Gottes zur Welt bringen soll.

Und wie sie nach einigem Verhandeln sagen kann:

„Sieh, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Lk 1,38

Maria ist offen für das Leben, das ihr entgegenkommt. Sie ist bereit, die Herausforderungen des Lebens zu sehen und zu hören und darauf zu antworten.

Und dann die Geburt des Kindes: Unerwartet, in die Nacht und in die Einsamkeit hinein, in die Armut des Stalles. Gott bleibt unverfügbar.

Unser Leben bleibt bei allen Wünschen, es im Griff zu haben, auch die Kunst, auf das was uns überrascht und entgegenkommt unsere Antwort zu finden und zu geben.

 

Gastbeitrag von Dr. Hans-Jürgen Marcus, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Elisabeth Vinzenz Verbund.

Einen weiteren Beitrag von Dr. Marcus finden Sie hier.

Foto: EVV / Kominek

Foto Weihnachtsstern: unsplash.com/Sebastian Fröhlich