Schwerpunkt Allgemein, Christliches Profil, Menschlichkeit verbindet, Ordensschwestern

„Wir müssen die Menschen froh machen.“

Elisabeth von Ungarn und Thüringen ist eine der beiden christlichen Leitfiguren des Elisabeth Vinzenz Verbundes. Ihr Namenstag am 19. November wird auch dieses Jahr wieder an vielen Orten in Deutschland gefeiert.

Wir befragen Sr. M. Dominika Kinder, Provinzoberin der Schwestern von der heiligen Elisabeth, zur Namenspatronin ihrer Kongregation.

EVV: Liebe Sr. M. Dominika, Elisabeth von Thüringen hat vor knapp 800 Jahren gelebt. Inwiefern dient sie uns noch heute als Vorbild?
Sr. M. Dominika Kinder: Elisabeth hat ernst gemacht mit der Botschaft des Evangeliums, dass Gott alle Menschen liebt, deshalb hat sie sich für die „Karriere nach Unten“ entschieden. Sie war Königstochter und Landgräfin und hat am Ende ihres kurzen Lebens als Arme unter den Armen gelebt. Weil sie sich von Gott vorbehaltlos geliebt und angenommen wusste, hatte sie ein waches Herz für die Nöte der Armen, die nach Aussage der Bibel die besonderen Lieblinge Gottes sind. Und weil es die heute auch noch gibt, kann uns ihr Tun Vorbild sein.

EVV: Worin lag Elisabeths Außergewöhnlichkeit – damals wie heute?
Sr. M. Dominika Kinder: Das Außergewöhnliche Elisabeths, was auch die meisten ihrer Zeitgenossen verstört hat, war die Radikalität ihres ganz persönlichen Einsatzes für die Armen und die armen Kranken. Sie hat nicht nur Geld gegeben, damit andere die schmutzige Arbeit machen, sondern sie hat die Kranken mit eigener Hand betreut und ihnen, wie es in ihrer Lebensbeschreibung heißt, „die niedrigsten Dienste erwiesen“. 

EVV: Was macht ihr Wirken so zeitlos, so universell?
Sr. M. Dominika Kinder: Zu allen Zeiten und überall auf der Welt gibt es Menschen, die auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind. Wenn diese Hilfe nicht auch ein menschliches Antlitz hat, wird sie inhuman. Elisabeth ist den Armen ihrer Zeit auf Augenhöhe begegnet, indem sie sich auf eine Stufe mit ihnen stellte. Das kann nicht jeder und vielleicht muss das auch nicht jeder so radikal machen. Aber wir sollten nie vergessen, dass unser helfendes Tun von Herzen kommen muss, damit es „die Menschen froh macht“ und ihrer Würde gerecht wird.

 

„Elisabeth von Thüringen ist ein Vorbild für den Dienst am Menschen.“

EVV: Die Geschichte Ihrer Kongregation ist eng verknüpft mit dem Wirken der Elisabeth von Thüringen. Wie genau?
Sr. M. Dominika Kinder: Unsere Kongregation wurde 1842 im schlesischen Neiße (Anm.: heute Nysa/Polen) gegründet. Gemeinsam mit der Initiatorin, Clara Wolff, schlossen sich Maria und Mathilde Merkert und Franziska Werner zu einer privaten Gemeinschaft zusammen, um „aus Liebe zu Gott und nicht wegen Belohnung“ auf eigene Kosten ambulant Kranke in deren Wohnungen zu pflegen. Diese Tätigkeit fand große Anerkennung in der Stadt.

Auf Wunsch der kirchlichen Obrigkeit traten sie 1847 in das Noviziat der Borromäerinnen ein. Sie verließen diese Gemeinschaft jedoch wieder, da sie als Borromäerinnen die ambulante Krankenpflege, in der sie ihre eigentliche Berufung sahen, nicht verwirklichen konnten. Zurück in Neiße begannen Maria Merkert und Franziska Werner 1850, am 19. November, dem Fest der heiligen Elisabeth, erneut mit der ambulanten Krankenpflege und der Armenspeisung. Diesen Neuanfang stellten sie unter den Schutz der hl. Elisabeth von Thüringen. Sie verstanden ihr Tun als eine Fortsetzung des Wirkens dieser großen Frau. Elisabeth von Thüringen ist seitdem die Patronin unserer Kongregation und deshalb für alle Schwestern, die in unsere Gemeinschaft eingetreten sind  – und das sind seit 1850 fast 10.000 – ein Vorbild für ihr Leben und die Richtschnur für ihren helfende Dienst an den Menschen.

EVV: Und wie werden Sie ganz persönlich den Namenstag der hl. Elisabeth begehen?
Sr. M. Dominika Kinder: Den 19. November feiern wir im Kreis der Schwestern mit einem festlichen Gottesdienst und frohem Beisammensein. Wo es möglich ist, überlegt sich jeder Konvent, ob und wie in zeitlicher Nähe zu unserem Patronatsfest  eine „soziale Aktion“ möglich und machbar ist.

Wir, also die Berliner Schwestern, wollen wie schon im vergangenen Jahr, am 17. November im Gelände der Caritas-Ambulanz für Wohnungslose in der Nähe vom Bahnhof Zoo eine Zeit der Begegnung gestalten – bei Suppe und Kuchen, Tee und Kaffee mit den Menschen, die dorthin zur ärztlichen Versorgung kommen und mitten in Berlin am Rand der Gesellschaft leben. „Die Menschen froh machen“ – wenigstens täglich einen einzigen – das ist jedem möglich und wird die Welt verändern!

EVV: Liebe Sr. M. Dominika, haben Sie herzlichen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte André Schmincke, Leiter Unternehmenskommunikation und Marketing.


Viele freiwillige Helfer der Polnischen Gemeinde sorgten am 17. November auf dem Gelände der Caritas-Ambulanz für Wohnungslose am Bahnhof Zoo für gute Stimmung


Begegnungen auf dem EVV-Sofa vor der Caritas-Ambulanz. Menschlichkeit verbindet


Sr. M. Dominka Kinder neben einer Statue der hl. Elisabeth im St. Joseph Krankenhaus Berlin Tempelhof

Der Orden
Sr. Maria Dominika Kinder ist Provinzoberin der Schwestern von der heiligen Elisabeth, Kuratoriumsvorsitzende der Katholischen Wohltätigkeitsanstalt zur heiligen Elisabeth und Vorsitzende des Aufsichtsrates des Elisabeth Vinzenz Verbundes.


Begründerinnen der Kongregation: Maria Merkert, Clara Wolff, Franziska Werner, Mathilde Merkert

 

Wer war Elisabeth von Thüringen (1207 – 1231)?
Elisabeth von Thüringen wurde trotz ihrer kurzen Lebenszeit weithin bekannt für ihre Sorge um die Armen und Kranken. Knapp vier Jahre nach ihrem Tod sprach Papst Gregor IX. Elisabeth heilig. Am 19. November wird ihr Gedenktag begangen.

 

Die hl. Elisabeth in der aktuellen Version nach Relaunch der Wort-Bild-Marke des Krankenhauses Reinbek St. Adolf-Stift

Zeitlos modern: Die hl. Elisabeth in einer modernen Fassung des Krankenhauses Reinbek St. Adolf Stift