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Frühgeburt: EVV-Experten kommen zu Wort

In der aktuellen Ausgabe des Berliner Klinikvergleichs des Tagesspiegel Gesundheit kommen zwei ausgewiesene Geburtshilfe-Experten eines EVV-Krankenhauses zu Wort: Prof. Dr. Michael Abou-Dakn und Dr. Beatrix Schmidt.

Auszüge mit freundlicher Genehmigung des Autoren, Ingo Bach (Der Tagesspiegel – Chefredakteur Gesundheit).

Normalerweise dauert es von der Zeugung im Durchschnitt 38 bis 41 Wochen, bis ein Mensch geboren wird. Doch nicht immer hat das werdende Kind diese Zeit, um sich im Mutterleib vollständig zu entwickeln.

Von den über 776 000 Kindern, die im Jahr 2017 in deutschen Krankenhäusern geboren wurden, kamen gut 66 000 vor Ablauf der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt.

Dann sprechen Mediziner von einer Frühgeburt. Ob Kinder dann tatsächlich als Frühchen gelten, die in speziellen Perinatalzentren intensiv betreut werden müssen, hängt nicht nur von der Schwangerschaftswoche ab, sondern vor allem vom Geburtsgewicht. Babys, die vor Ablauf der 32. Woche geboren werden, wiegen in der Regel weniger als 1500 Gramm.

Ursachen

In Deutschland werden eine Schwangere und das sich entwickelnde Kind engmaschig medizinisch überwacht. Deshalb fällt es in den meisten Fällen früh auf, wenn etwas nicht stimmt, zum Beispiel sich der Fötus nicht in dem Tempo entwickelt.

In allen Fällen bleibt in der Regel noch genug Zeit, in ein Perinatalzentrum zu gehen, wo die Ursachensuche beginnt, um die möglichen Gründe für die frühzeitige Geburt zu beseitigen.

„Die Frauen kommen dann zu uns mit vorzeitigen Wehen, Blutungen oder Infektionskrankheiten“, sagt Michael Abou-Dakn, Chefarzt der Klinik für Geburtshilfe am St. Joseph-Krankenhaus in Berlin-Tempelhof, die zu den Perinatalzentren Level 1 zählt. Bis zu zwei Wochen könne man oft noch gewinnen, die für den gesunden Start des Kindes sehr bedeutsam seien. „Jede vermiedene Frühgeburt ist ein medizinischer Erfolg“, sagt Abou-Dakn.

Behandlung

Zwar werden Frühgeborene noch immer oft per Kaiserschnitt entbunden,

„doch zunehmend setzt sich die Erkenntnis durch, dass auch für die zu früh kommenden Babys die natürliche Geburt über die Vagina Vorteile hat, vor allem für das Immunsystem“, sagt Chefarzt Abou-Dakn.

Im St. Joseph Krankenhaus versuche man deshalb meistens, das Frühchen auf natürlichem Weg zu holen.

 

Für reifere, jenseits der 36. Schwangerschaftswoche geborene Kinder gibt es zum Beispiel Hypothermiematten, mit denen die Körpertemperatur des Kindes auf 33 bis 34 Grad abgesenkt werden kann. Das ist dann wichtig, wenn das Neugeborene während der Geburt nicht genug Sauerstoff bekommen hat.

„Wenn man dann vorübergehend die Körpertemperatur absenkt, kann man Gehirnschäden durch den Sauerstoffmangel aufhalten“, sagt Beatrix Schmidt, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am St. Joseph-Krankenhaus.

Risiken

Die Medizin hat die Grenze, ab der ein Baby überleben kann, durch neue Behandlungsverfahren und immer ausgefeiltere Technik auf die Zeit zwischen der 22. und 24. Woche vorgeschoben.

Der Zeitpunkt, der die Chance auf das Überleben von der Chancenlosigkeit trennt, hängt vor allem davon ab, ob die Lungen bereits ausreichend entwickelt sind, um mit ihnen atmen zu können. Dieses kann inzwischen medikamentös beeinflusst werden: Kortisonartige Medikamente, die die Mutter einnimmt, die aber dem Kind nützen, können die Lungenreife beschleunigen.

Immer wieder folgen neue Rekordmarken. Ob das aber auch im Interesse der Kinder ist, bezweifelt Neonatologin Beatrix Schmidt.

-Ende des Auszuges-

 

Prof. Dr. Abou-Dakn, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Geburtshilfe am Berliner St. Joseph Krankenhaus

Es freut uns auch sehr, dass unsere Geburtshilfe – auch speziell für Risikogeburten – von den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten empfohlen wird. Hier zeigt sich, dass es sich bewährt, Medizin auf höchstem Niveau mit der menschlich zugewandten Versorgung zu kombinieren.

Werdende Eltern, die sich uns anvertrauen, dürfen darauf zählen, dass wir alles tun, um die Geburt möglichst natürlich und zum Wohle der Kinder und Mütter zu begleiten. Dies gilt auch für Risikogeburten.“

 

Dr. Beatrix Schmidt, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Berliner St. Joseph Krankenhaus

 

 

Den gesamten Artikel zum Thema Frühgeburten mit Dr. Beatrix Schmidt und Prof. Dr. Abou-Dakn finden Sie hier: Berlins beste Krankenhäuser im Vergleich